Montag, 22. Oktober 2018

Ausflug mit dem Nissan Leaf II (40kWh)

Ich begeistere mich nun seit einer Weile für elektrische Fahrzeuge aller Art. Nach einigen Probefahrten wollte ich nun ein elektrisches Auto etwas länger testen, um auch die Probleme beim Laden oder der Reichweite kennenzulernen. Zu diesem Zweck habe ich mir bei nextmove, einer auf Elektroautos spezialisierten Autovermietung, einen Nissan Leaf gemietet.

Tatsächlich sind viele große Autohersteller gerade dabei, sich mit Schlagzeilen zu übertrumpfen und große Ankündigungen zu machen. Den Nissan Leaf gibt es nun seit einigen Jahren und angeblich ist er das meistverkaufte Elektroauto. Seit diesem Jahr gibt es ihn in der zweiten Generation. Diese ist größer, hat einen größeren Akku, einen größeren Motor und kann teilautonom fahren.

Der Motor leistet 150 PS und 320 Nm, das fühlt sich auch spektakulär an. Das extrem weiche Anfahren, verbunden mit dem hohen Drehmoment lässt so ziemlich alle anderen 0815-Autos an der Ampel stehen.

Insgesamt ist der Leaf ein fünftüriger Mittelklassewagen und für meine Begriffe etwas klein. Das  mag daran liegen, dass ich für gewöhnlich Nutzfahrzeuge oder Fahrrad fahre.

Akku den Nissan (Quelle: Nissan.de)

Für alle, die noch nicht glauben, dass die Lebensdauer so großer Akkus sehr hoch ist, gewährt Nissan auf den Akku eine Garantie von 8 Jahren bzw. auf eine Strecke von 160.000 km.

Ich möchte hier aber keinen detaillierten Testbericht zu diesem Auto schreiben. Wer sich dafür interessiert, findet es zahlreich im Internet
Quelle: Nissan
Die Reichweite elektrischer Fahrzeuge wird nach verschiedenen Normen ermittelt. Allerdings gibt selbst der etwas realistischere WLTP-Zyklus eine Reichweite von 415 km an. Das ist immerhin doppelt so viel, wie ich bei normaler Fahrweise auf der Autobahn und eingeschalteter Heizung erreicht habe.


Konkret bin ich mit meiner Freundin von Dresden nach Berlin gefahren. Dabei bin ich mit etwas über 90% Akkuladezustand losgefahren und musste nach 200km auch schleunigst an die Ladesäule im Hotel. Ich hatte mir vorab auf chargehotels.com ein Hotel herausgesucht, in dem ich kostenlos laden kann. Das hat auch hervorragend funktioniert.


Gut gefallen haben mir auch die Elektroroller, die ich in Berlin an wirklich jeder Straßenecke gesehen habe. Diese sind der Schwalbe nachempfunden, haben mit dieser aber natürlich nichts gemein. Die Roller kann man für 19 Cent pro Minute per App mieten.


Zwei Helme liegen im Topcase. Um das Laden der Akkus muss man sich überhaupt nicht kümmern. Der Akku wird regelmäßig durch Mitarbeiter der Leihfirma gewechselt. Ich stehe so einem Leihangebot skeptisch gegenüber. Läuft man aber wenige Minuten durch die Berliner Straßen, merkt man, dass die Einheimischen es annehmen. Man sieht fast ausschließlich diese kleinen roten elektrischen Roller durch die Straßen flitzen. Beim nächsten Mal probiere ich das Angebot bestimmt einmal aus.

Um Ladestationen zu finden, hat das eingebaute Navi des Nissan viele Ladesäulen eingezeichnet. Noch etwas besser funktioniert die App wattfinder. Diese greift auf die Datenbank von goingelectric.de zu und ist sehr aktuell.


Hier ein kurzes Bildschirmfoto der App auf meinem Smartphone. Man sieht, dass es Ladesäulen an jeder Ecke gibt.


In dieser App kann man auch einstellen, welche Ladestecker man nutzen kann und ob man alle Ladesäulen oder nur kostenlose angezeigt bekommen möchte. Ich wollte auf meinem kurzen Trip nur kostenlos laden, was auch einwandfrei funktioniert hat.


Hier stehen wir z.B. gerade auf dem Kaufland-Kundenparkplatz und laden mit 50 kW.


Noch einige interessante Fakten zum Auto selbst:

Prinzipiell fährt es sich wie ein modernes Automatikfahrzeug, nur noch dreimal besser. An das kraftvolle aber immer sanfte Dahingleiten im Straßenverkehr gewöhnt man sich nach kürzester Zeit. Zusätzlich hat Nissan noch zwei interessante Funktionen eingebaut. Das wäre zum einen das sogenannte epedal. 


Quelle: Nissan

Wird diese Funktion eingeschaltet, kann das Fahrzeug nur noch mit dem Gaspedal gefahren werden. Gebremst wird stark mit dem Elektromotor, der den Nissan auch bis zum Stillstand abbremst. Das Bremspedal braucht man also nur noch wenn man sehr stark verzögern muss. Bei vorausschauender Fahrweise kann so auf die Nutzung der Scheibenbremsen gänzlich verzichtet werden. Diese wurden übrigens auf seltene Benutzung optimiert und sollten daher nicht rosten oder anderweitig durch Nichtbenutzung verschleißen. 


Quelle: Nissan
Die zweite interessante Funktion heißt bei Nissan propilot und ist ein Autopilot, der sowohl Geschwindigkeit als auch Abstand zum Vordermann regelt und das Fahrzeug in der Spur hält. Dazu muss man zwar die Hände am Lenkrad lassen, aber nicht mehr lenken. Des weiteren bietet das Fahrzeug natürlich allen Komfort, den moderne Fahrzeuge eben so haben. 


Quelle: Nissan

Ich hatte mich bereits etwas darauf eingestellt, dass es in einem Elektroauto immer etwas kühler ist als in einem Verbrenner, da nicht unbegrenzte Mengen Abwärme zur Verfügung stehen. Tatsächlich haben die Ingenieure dieses Problem mit einer Wärmepumpe aber gut gelöst und der Innenraum ist nach 1 bis 2 Minuten mit der Klimaautomatik gut durchgewärmt.


Wieder in Dresden angekommen ist ein kostenloser Ladepunkt auf dem Gelände der gläsernen Manufaktur. Volkswagen hat wohl zu Werbezwecken auf dem Gelände eine große Solaranlage mit 25kWp Leistung und eine große Redox-Flow Batterie mit einer Kapazität von 130 kWh installiert.


An einer großen Anzeige wird der momentane Energiefluss und die gesamte gewonnene Sonnenenergie angezeigt. 

Die 4 Ladepunkte können rund um die Uhr kostenlos genutzt werden. Geladen habe ich auch hier mit 50kW. Der benötigte Strom kommt aus der Batterie neben der Ladesäule. 


Die hier benutzte Batterie ist eine Redox-Flow-Batterie, auch Flüssigbatterie genannt. Die Energie wird in zwei Elektrolyten gespeichert, welche aber in getrennten Kreisläufen durch eine galvanische Zelle gepumpt werden. Verglichen mit einem herkömmlichen Akku ist das natürlich relativ aufwändig, da zusätzliche Steuerungselektronik und Pumpen notwendig sind. Ist die ganze Zelle ausreichend groß, fällt das aber nicht mehr weiter ins Gewicht. Die Speicherkapazität der Batterie lässt sich in weiten Grenzen variieren. Die Energiedichte liegt mit ca 50 Wh/l aber bei nur einem Viertel, verglichen mit dem Antriebsakku der hier gezeigten Elektrofahrzeuge.

Für viele Menschen geht von dieser Batterie aber eine Begeisterung, wie von der Brennstoffzelle, aus da Fahrzeuge mit so einer Batterie mit einer Flüssigkeit betankt werden könnten. Man könnte also elektrisch fahren, ohne im Kopf ein bisschen Umdenken zu müssen. Das erkauft man sich leider mit einem schlechteren Wirkungsgrad und deutlich mehr mechanischen Bauteilen.


Nutzt man die VW-Ladestation kann man sich seine Ladeweile bei einem kostenlosen Kaffee vertreiben oder man schaut sich andere interessante Elektroautos an. Ich habe beides gemacht.


Unter anderem wird auch ein Golf 1 in der Elektrovariante gezeigt. Dieser wurde von 1976 bis 1981 20-mal gebaut. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem 15 kW Gleichstrommotor mit einer Masse von 80 kg.


Als Energiespeicher kommen Blei-Flachröhren Batterien mit einer Spannung von 96 V zum Einsatz. Diese können immerhin 13,4 kWh speichern, womit das Fahrzeug ca. 50 km weit fahren kann. Die Höchstgeschwindigkeit liegt dabei bei 100 km/h.


Direkt daneben ist der Golf 3 Citystromer zu sehen. Dieser wurde von 1994 bis 1996 120-mal gebaut. Die Motorleistung betrug immerhin schon 20 kW und die Batterie konnte 17,3 kWh speichern. Die Reichweite betrug ca. 60 km. Das Fahrzeuggewicht beträgt immerhin 1,5 t.


Die Reihe setzt sich mit dem aktuellen E-Golf fort. Gebaut wird er seit 2014 und von einem 100 kW Motor angetrieben. Wie üblich erfolgt der Antrieb über eine einstufige Getriebeuntersetzung auf die Vorderräder. Die Höchstgeschwindigkeit wird auf 140 km/h limitiert. Der Lithiumakku kann 36 kWh speichern und wiegt dabei 318 kg.



Der E-Golf unterscheidet sich äußerlich kaum von der normalen Variante mit Verbrennungsmotor. Lediglich die Ausstattung ist standardmäßig relativ hoch. Wahrscheinlich um mit einem Elektroauto  immer ein Hauch von Moderne und Eleganz gleichzusetzen.


Im Ausstellungsbereich befindet sich auch eine Art Schnittmodell des E-Golf. Das ist zwar recht interessant, die spiegelnden Plexiglasscheiben und fehlende Beschriftung trüben meine Begeisterung aber etwas.


Sehr schön hergerichtet ist auch das Sondermodell Samba des Volkswagen T1. Dieser Bus unterscheidet sich äußerlich durch Chrom Radkappen, ein großes VW Emblem auf der Front und eine schicke zweifarbige Lackierung. Sein typisches Aussehen verleihen dem Bus die insgesamt 23 kleinen Fenster.



Fazit

Ich bin wieder einmal von elektrischen Fahrzeugen begeistert! Ganz konkret von dem Nissan nicht so sehr, das liegt aber nicht am Antrieb, sondern am Auto selbst. Ich wollte hier auch keinen standardmäßigen Testbericht verfassen, sondern lediglich ungeordnet meine Erfahrungen mit diesem Fahrzeug niederschreiben. Ich habe festgestellt, dass das Laden dieser Fahrzeuge leichter ist als erwartet. Ganz so planungslos wie mit einem Verbrenner kann man natürlich nicht ins Blaue fahren. Schade ist auch, dass die angegebenen Reichweiten immer noch sehr optimistisch sind. In naher Zukunft soll der Nissan mit einer 60 kWh Batterie erhältlich sein. Ich denke, das wäre das perfekte elektrische Auto. Natürlich nur, wenn man auch regelmäßig fährt. Weil ich das nicht mache, wird es für mich bei der Begeisterung bleiben. :)

Wenn jemand den Text bis hierhin gelesen hat und noch skeptisch ist, mein Rat: Probier es aus!

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