Mittwoch, 17. Februar 2016

Bohrer anschleifen


Bohren ist das spanende Fertigungsverfahren, was wohl am häufigsten zum Einsatz kommt. Ich nutze ein günstiges Bohrer Sortiment mit Durchmessern von 0,5 bis 13mm. Vor kurzem habe ich versucht einen 6mm Bohrer von Hand nachzuschleifen und dabei gemerkt, dass ich das seit der Ausbildung wohl zu selten gemacht habe. Dieses Problem haben viele und so gibt es viele Vorrichtungen und andere Hilfsmittel zum Bohrer schleifen.

 

Theorie

Die Schneidengeometrie ist herstellungsbedingt festgelegt und nur der Freiwinkel, der Spitzenwinkel und die Querschneide können durch das Anschleifen verändert werden. Für verschiedene Werkstoffe gibt es zwar verschiedene Bohrertypen, ein Spitzenwinkel von 118° (für unlegierte Stähle) hat sich aber durchgesetzt. Ich bohre damit auch erfolgreich Gusseisen, Leichtmetalle, Kunststoffe und Holz. Der Spitzenwinkel muss symmetrisch zur Bohrerachse angeschliffen werden, damit die beiden Hauptschneiden gleich lang werden und der Bohrer rund läuft. Beim Schleifen ergibt sich eine Querschneide, welche beim richtigen Anschliff einen Winkel von 55° zu den Hauptschneiden hat. Bei großen Bohrerdurchmessern wird diese nachträglich verkürzt, (ausspitzen) um die Schneidfähigkeit zu verbessern.

Vorrichtungen zum Bohrer anschleifen

Eine vergleichsweise einfache Vorrichtung zum Einhalten der geforderten Winkel hat Tobias Dipper gebaut. Dabei wird der Bohrer in ein Prisma gelegt , welches in einem Winkel von 59° (59°*2=118°) zum Schleifstein steht. Zusätzlich liegt der Bohrer hinten etwas höher auf, damit sich der Freiwinkel ergibt. Beim Schleifen muss der Bohrer nun nur noch richtig gedreht werden und es muss nicht mehr auf die Einhaltung dieser beiden Winkel geachtet werden.

Quelle: http://www.hobby-messer.de/wm-s02c.htm (17.02.2016)

Andere Vorrichtungen oder "Wie es nichts wird"

Spiralbohrer-Anschleifvorrichtung Nr. 5B12


Ich habe mir für 10 € auf ebay.kleinanzeigen eine fertige Bohrerschleifvorrichtung gekauft. Diese arbeitet allerdings nicht am Umfang der Schleifscheibe sondern auf einer der Seitenflächen. Um die Vorrichtung nutzen zu können habe ich für den Schleifbock eine Grundplatte aus Multiplex gefertigt und den vorhandenen gusseisernen Maschinenständer neu gestrichen. Außerdem war es nötig den Schleifbock etwas zu erhöhen, damit die Schleifscheibe senkrecht vor der Bohrerspitze rotiert.


Bei dieser Vorrichtung können Bohrer mit einem Durchmesser von 3 bis 13mm nachgeschliffen werden. Der Spitzenwinkel ist zwischen 82° zum Versenken und 118° für Bohrer zum normalen Gebrauch einstellbar. Dadurch, dass die Vorrichtung nicht im rechten Winkel zur Grundplatte steht, ergibt sich einen Freiwinkel von 8 bis 12°. Mit dieser Vorrichtung muss nur noch darauf geachtet werden dass die beiden Hauptschneiden gleich lang sind und der Bohrer in der richtigen Lage in die Vorrichtung eingelegt wird, damit der Winkel der Querschneide zu den Hauptschneiden von 55° eingehalten wird.


Es muss also auch mit dieser Vorrichtung noch geübt werden um einen guten Anschliff zu erzielen. Ein weiterer Nachteil dieser Vorrichtung ist ihre leichte Bauweise. Theoretisch wäre es möglich beide Hauptschneiden genau gleich lang zu schleifen, weil der Abstand der Bohrerspitze zum Schleifstein durch eine Einstellschraube fixiert ist. Die ganze Vorrichtung hat jedoch so viel Spiel, das selber darauf geachtet werden muss.


Auf YouTube habe ich ein englischsprachiges Video gefunden, in dem die Benutzung der Vorrichtung gezeigt wird. So richtig zufrieden war ich mit dieser Vorrichtung jedoch nicht. Da es im Handel aber viele solcher und ähnlicher Vorrichtungen gibt habe ich noch zwei weitere ausprobiert.  Kurz: Beide taugen überhaupt nicht zum Anschleifen von Bohrern.






Wie es funktioniert

Von diesen einfachen Vorrichtungen hatte ich vorerst genug. Sicherlich gibt es auch professionelle welche wirklich gut funktionieren. Leider kann ich mir sehr viele neue Bohrer kaufen, bis sich die Anschaffung solche einer Maschine lohnt. Also muss es anders gehen.

Ich habe also begonnen mir selber ein einfaches Auflageprisma zu bauen, welches zumindest den Spitzenwinkel einhält. 




Das Positive ist, dass diese Vorrichtung tatsächlich funktioniert und man damit Bohrer im 2-Phasen Schliff wieder schön schärfen kann. Ich habe aber durch einige Rückschläge beim Bau so viel Zeit aufgewendet und soviele Bohrer testweise angeschliffen, dass ich es jetzt auch wieder freihand ziemlich gut hinbekomme. Wenn nicht sogar besser.

Sollte ich diese Vorrichtung nachbauen?

Nein. Ich würde jedem empfehlen sich fünf stumpfe Bohrer zu nehmen und das Anschleifen freihand zu üben. Es funktioniert gut sich für den Anfang große Bohrer (>8mm) zu nehmen die noch in relativ gutem Zustand sind. Bei diesem die Schneide mit schwarzen Edding zu markieren und bei ausgeschalteter Schleifscheibe die Bewegung zu üben. Man kann dann an den Kratzern gut erkennen, ob man den Bohrer richtig führt oder nicht.

Außerdem würde ich den Kauf einer kleinen Blechschablone empfehlen um den Spitzenwinkel von 118° zu kontrollieren. Man verschätzt sich wirklich leicht.

Diese Methode hat zwei Vorteile. Zum einen spart man sich den Bau oder den Kauf einer Schleifvorrichtung, zum anderen geht das Anschleifen mit dieser Methode sehr schnell, weil das korrekte Einspannen des Bohrers entfällt.

Am Ende sollte man den neu angeschliffenen Bohrer natürlich einfach mal an einem Stück Baustahl ausprobieren. Ich war immer wieder überrascht, wie gut sich mit einem wirklich scharfen Bohrer arbeiten lässt!

Kommentare:

  1. Das Bild auf http://www.hobby-messer.de/wm-s02c.htm gehört mir und darf nicht ohne weiteres weiterverwendet werden.
    Zumindest hätte man mich fragen und um Erlaubnis bitten können, sollen, müssen!
    Ausserdem bezweifle ich dass der Träger des Klarnamens um Erlaubnis für die Veröffentlichung gefragt wurde.
    Dazu kommt, dass er mit dem Bild gar nichts zu tun hat.

    Hans

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  2. Hallo Hans, ich bemühe mich stets die Erlaubnis zur Veröffentlichung einzuholen und die Quelle anzugeben. Das war mir in deinem Fall leider nicht möglich. Deswegen habe ich über denic.de einfach den Inhaber der Domain abgefragt und die korrekte Quelle des Bildes angegeben. Kann ich das Foto denn weiterhin benutzen und wer hat diese schöne kleine Vorrichtung tatsächlich gebaut?

    Grüße Paul

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